Berlin Marathon 2005

Für das Jahr 2005 habe ich mir meinen zweiten Marathonstart vorgenommen, fast genau ein Jahr nach meinem Debüt in New York. Es ist der 32. Berlin Marathon, der am 25. September 2005 stattfand.

Was nimmt man sich vor für seinen zweiten Marathon? Einfach nur durchkommen wie beim ersten mal? Nein, das wäre zu „einfach“, eine kleine Zeitverbesserung sollte schon sein. Nach meinen 4:37:35 von New York möchte ich diesmal unter 4:30 bleiben, das sollte doch zu schaffen sein. Zumal die Vorbereitung auf New York alles Andere als optimal verlief.

Also ran ans Training, mit frischer Motivation und der Erfahrung aus der letzten Vorbereitung kann ja nichts schief gehen. Mein Trainingsplan für die letzten 10 Wochen vor dem Wettkampf hat sich bewährt, nur die Trainingseinheiten vor diesen 10 intensiven Wochen muss ich gewissenhafter durchziehen.

Streckenplan

Alles lief bestens, mit gezieltem Krafttraining als Ausgleich zu den Laufeinheiten, die den Körper einseitig belasten, war ich bestens im Plan. Aber es wäre ja schon fast unheimlich gewesen wenn es so gut weitergegangen wäre. Bei einem Grümpelturnier (ich kanns halt nicht lassen) bin ich so unglücklich auf die Schulter gefallen, dass ich mir eine Schultereckgelenkssprengung zugezogen habe. Für die Nichtmediziner unter uns: das ist ein Bänderriss in der Schulter, der zur Folge hat dass sich das Schlüsselbein verschiebt. Vielleicht erinnert sich nicht jeder daran, aber der Sommer 2005 war extrem heiss und dementsprechend trocken und hart war der Fussballplatz. Ich denke auf einem weicheren Untergrund wäre das nicht passiert. Übrigens, das ist die gleiche Verletzung wie sie Franz Beckenbauer im WM-Halbfinale 1970 in Mexiko hatte.....nur ist er im Gegensatz zu mir für die Bilder mit der Armschlinge weltberühmt geworden.

An Training war natürlich erstmal nicht zu denken. Ich war ja schon froh wenn ich nachts schmerzfrei durchschlafen konnte. Kurz und gut, mir blieb wenigstens eine Operation erspart und nach einigen Wochen konnte ich das Training für den Marathon fortsetzen. Optimal vorbereitet war ich also auch diesmal nicht, aber ich fühlte mich wesentlich fitter wie beim ersten Mal. Zumindest konnte ich seit der Sache mit der Schulter schmerzfrei durchtrainieren.

Der grosse Tag rückte also näher. Mit dem Hotel hatten wir es super erwischt, es lag nur wenige Gehminuten vom Marathonstart entfernt, so dass ich bis zum letzten Moment im Zimmer bleiben konnte und erst relativ kurz vorher zum Start gehen musste. Das war ein grosser Vorteil wie ich fand, das bedeutete kein langweiliges Rumstehen, kein Frieren.....und natürlich auch kein ewiges Anstehen an den Toilettenhäuschen. Man beginnt ja schliesslich schon 2-3 Tage vor einem Marathon damit viel zu trinken um die Wasserspeicher im Körper aufzufüllen.

Startschuss! Wie gesagt, es ging gleich los. Für mich allerdings noch nicht. Durch mein spätes Erscheinen stand ich natürlich weit hinten in der Startaufstellung. Man wird zwar in Blöcke entsprechend seiner gemeldeten Marathonzeit eingeteilt, aber mit meinen 4:37:35 war der eben auch sehr weit hinten. Und es gibt natürlich immer genügend Leute die sich nach vorne drängeln, obwohl sie in einem Block dahinter hätten starten sollen. Ja genau, richtig gelesen, es gab noch Blöcke hinter meinem :-)

Nach knapp 7 Minuten hatte ich’s dann auch endlich über die Startlinie geschafft. Der Blick nach hinten über das Starterfeld war recht überschaubar. Das Ende des Feldes war schnell zu erkennen. Nach Vorne bot sich ein ganz anderes, viel imposanteres Bild, war doch der grösste Teil der fast 40000 Starter vor mir auf dem Weg zur Siegessäule.

In gemütlichem Tempo ging es die ersten Kilometer dahin. Es war alles unglaublich eng, Läufer an Läufer und man musste aufpassen dass man sich nicht gegenseitig anrempelt und ins stolpern gerät. So ungefähr bei Kilometer 5 wurde es dann ein bischen besser und ich konnte mein Tempo etwas erhöhen und mich durch die vielen Läufer durchschlängeln. Im Nachhinein betrachtet muss ich sagen dass ich hier wohl die meiste Zeit verloren habe. Man vergeudet doch einige Kraft indem man beim Überholen ständig ausweicht, beschleunigt und wieder abbremst weil einem jemand in den Weg läuft. In dem Moment war mir aber egal dass ich dadurch relativ viel Energie verschwende und mir die am Ende vielleicht fehlen könnte, denn so langsam wollte ich einfach nicht den ganzen Marathon weiterlaufen. Ich hatte ja noch mein Ziel mit den 4:30 Stunden im Hinterkopf.

Nach etwa 10 km führte die Marathonstrecke an meinem Hotel vorbei wo meine Frau am Streckenrand auf mich wartete. Und sie hat lange gewartet. Ich war erst ein ganzes Stück nach der verabredeten Zeit da. Ein kurzes Hallo, ein Foto – und schon war ich wieder unterwegs in Richtung Friedrichstadt-Palast.

Jetzt endlich hatte ich langsam genügend Platz um mein eigenes Tempo zu laufen. Ich beschloss etwas zu forcieren um die verlorene Zeit aufzuholen. Ich hatte blöderweise meinen Pulsmesser vergessen, aber da ich in der Vorbereitung schon viel ohne Pulskontrolle trainiert hatte, kann ich gut einschätzen wann ich Gefahr laufe mich zu übernehmen. Wenn ich spüre dass sich mein Herzschlag deutlich erhöht und die Atemfrequenz schneller wird, werde ich das Tempo wieder etwas zurück nehmen.

Über die nächsten Kilometer kann ich eigentlich gar nicht viel berichten. Die Stimmung war super, das Wetter war toll, es waren viele Zuschauer an der Strecke und jede Menge Bands unterstützten die Läufer. Kurz gesagt, es lief wie von alleine. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir dass ich (für meine Verhältnisse) hervorragend unterwegs war. Die 4:30 sollte ich locker schaffen.....vielleicht ist sogar noch etwas mehr drin.

Zwischenzeiten

Es sind noch 3 km bis ins Ziel und die Uhr zeigt 3:47 an. Um unter 4 Stunden zu bleiben müsste ich jetzt jeden Kilometer in ca. 4:30 laufen. Das ist mit 39 km in den Beinen fast nicht zu schaffen, aber ich versuchte es. Ich weiss nicht genau wie weit ich mit dem nochmals verschärften Tempo gekommen bin. Jedenfalls merkte ich recht schnell dass mein Körper das nicht mehr hergibt. So quälte ich mich ins Ziel und war trotz der verpassten 4 Stunden-Grenze überglücklich über meine Leistung. Meine Endzeit war 4:01:17 – das bedeutet, dass ich mich im Vergleich zu meiner bisherigen Marathon-Bestzeit um mehr als 36 Minuten verbessert habe.....was für ein super Gefühl!

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