Im Allgemeinen führt der Kurs in 2 Runden durch die Innenstadt von Stockholm. Die Umgebung variiert zwischen den Wäldern des königlichen Parks Djurgården und den Strassen einer Grosstadt. Die Strecke führt an Gebäuden wie dem königlichen Schloss, dem Rathaus, der königlichen Oper und dem Parlament vorbei. Der Kurs ist einer der landschaftlich schönsten der Welt. Ein grosser Teil des Laufs führt an schönen Wasserstrassen entlang. Wenn Sie über die Västerbron Brücke laufen, haben Sie eine fantastische Aussicht über eine Stadt, mit Bauten aus dem Mittelalter und modernen Gebäuden aus der heutigen Zeit.
Der Zieleinlauf findet im berühmten Stadion statt, das für die Olympischen Spiele 1912 gebaut wurde. Das Olympiastadion war Schauplatz zahlreicher denkwürdiger athletischer Leistungen mit nicht weniger als 83 Weltrekorden in der Leichtathletik.

Nachdem ich in Berlin 4:01:17 für die 42 km lange Strecke brauchte, war mein Ziel für Stockholm klar. Diese 1:17 musste weg, ich wollte die 4 Stunden Marke knacken. Damit dies auch gelingen sollte, hat mich extra ein eigener kleiner „Fan-Club“ nach Schweden begleitet. Wir waren also guter Stimmung und das Wetter war auch überraschend gut. Nachdem es bei uns seit Wochen geregnet hatte, waren wir sehr verblüfft als wir in Stockholm ankamen und strahlender Sonnenschein herrschte.
Der Startschuss in Stockholm ist ungewöhnlich spät. Erst um 14 Uhr werden die ca. 17000 Läufer auf die Strecke geschickt. Wie bei jedem grossen Marathon vergehen einige Minuten bis alle Läufer die Startlinie passiert haben. Bis ich die Strecke in Angriff nehmen konnte, vergingen vom Startschuss bis zum Überqueren der Startlinie etwas mehr als 5 Minuten.
Hoch motiviert ging ich also die 42 km an (Streckenplan). Im Gegensatz zu meinen bisherigen Marathon Erfahrungen waren relativ wenige Zuschauer an der Strecke. Das Zuschauerinteresse konzentrierte sich auf ein paar markante Punkte und Strassenzüge in der Stadtmitte. Aber eine besondere Motivation für mich waren natürlich meine Begleiter am Streckenrand.
Die ersten Kilometer lief ich locker und zuversichtlich die 4 Stunden Marke unterbieten zu können, die wunderschöne und abwechslungsreiche Strecke ab. Die Atmosphäre war trotz der 17000 Läufer eher familiär und angenehm. Das Gedränge, das es am Start unweigerlich gibt, löste sich rasch auf und ich konnte mein eigenes Tempo bestimmen. Schnell wurde mir aber klar dass es heute nicht einfach werden würde. Wir hatten um die 25 Grad bei strahlendem Sonnenschein. Es war ausgerechnet heute der wärmste Tag unseres ganzen Stockholm Aufenthalts. Ausreichend trinken war also angesagt.
Da Stockholm von Wasserstrassen durchzogen ist, sollte der Kurs relativ flach sein... dachte ich. Was ich unterschätzt habe waren aber die vielen Brücken, die zu überqueren waren. Allen voran die berüchtigte Västerbron Brücke, die nach 12 Kilometern zu überwinden ist. Äusserst kraftraubend ist aber auch die Hügellandschaft von Djurgarden, dem früheren Jagdrevier der schwedischen Könige. Alles in allem nicht gerade die ideale Strecke um einen persönlichen Rekord aufzustellen. Die Organisation ist allerdings hervorragend und Verpflegung ist mit Wasser und stark verdünntem ISO-Getränk immer ausreichend. Gegen den Hunger gibt es Bananen, Traubenzucker und salzige Gurken.

Die Strecke ist wirklich eine Pracht. Nach dem Start neben dem alten Olympia-Stadion geht es vorbei an den Stockholmer Fernsehstudios raus ins Grüne (Ladugarsgärdet). Nach Kilometer 6 biegt die Strecke auf die Stockholmer Strandpromenade unterhalb des noblen Stadtteils Östermalm ein. Von dort geht es mit einem Schlenker an der Oper vorbei über die Brücke in die Altstadt (Gamla Stan), wo das königliche Schloss und kurz danach Samba-Tänzerinnen passiert werden. Nach Kilometer 9 folgt die nächste lange Passage am offenen Wasser mit Blick auf das Stadhuset, das Stockholmer Wahrzeichen. Kurz vor Kilometer 12 folgt der kraftraubende Anstieg auf die erwähnte Västerbron-Brücke. Anschließend wird der beliebte Ralambshovs-Park umrundet, ehe die nächste Promenade folgt. Erst bei Kilometer 15 verlässt die Strecke das offene Wasser und durchqueren die Stadtteile Kungsholmen, Vasastaden und Norrmalm. Kurz nach Kilometer 20 wird dann auf Höhe des Olympia-Stadions die zweite Schleife eingeläutet. Zu meiner Freude treffe ich hier auf meine „Fans“, die mich für den zweiten Teil der Strecke noch mal besonders motivieren. Allerdings tun mir schon so die Beine weh, dass ich mich am Liebsten zu ihnen in die Sonne gesetzt hätte und die Rest des Marathons vom Strassenrand aus verfolgt hätte. Aber ich war ja nicht zum Spass hier und ausserdem lag ich mit 1:54:15 für die ersten 21 Kilometer noch gut auf Kurs für eine Endzeit unter 4 Stunden.

Zwischen Kilometer 22 und 28 wird mit dem Erholungsgebiet Djurgarden unbekanntes Terrain passiert. Erst hinter dem sehenswerten Vasa-Museum schwenkt die Laufstrecke wieder auf den bekannten Teil von der ersten Schleife ein. Nach 33 Kilometern bedeutet dies den erneuten Anstieg auf die Rampe zur Västerbron-Brücke, den ich diesesmal als ziemlich brutal empfinde. Von nun an war der Weg bis zum Ziel eine reine Kopfsache. Wenn meine Beine entscheiden hätten können, wären sie stehen geblieben. Rückblickend gesehen, hat mich dieser innere Kampf bis ins Ziel enorm Substanz gekostet. Die Beine erholen sich nach so einem Marathon relativ schnell wieder, aber Mental habe ich diesmal sehr lange gebraucht mich zu erholen.
Belohnung für die Strapazen und Höhepunkt der 42,195 Kilometer ist der Zieleinlauf im Olympia-Stadion, das von außen an eine mittelalterliche Stadtmauer erinnert. Die Arena, die 27000 Zuschauer fasst und für die fünften Olympischen Sommerspiele 1912 erbaut worden war, ist auch vier Stunden nach dem Start noch gut gefüllt und versetzt den Finisher in ein Hochgefühl. Eigentlich habe ich schon nicht mehr daran geglaubt, aber mein Ziel unter 4 Stunden anzukommen habe ich letztendlich mit 3:57:48 doch noch erreicht!
Diashow von Stockholm anschauen!
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